Sie führen ein Lokal, kochen, planen Einkauf und Dienstplan und nebenbei meldet sich gefühlt jede Woche jemand, der Ihnen Werbung verkaufen will. Plakat, Lieferportal, Social-Media-Paket, Anzeigen. Die Frage ist selten, ob Marketing hilft, sondern welches davon bei einem Gastrobetrieb wirklich Gäste bringt und welches nur Zeit und Geld kostet.
Die kurze Antwort vorweg: Gutes Restaurant-Marketing fängt nicht bei bezahlter Werbung an, sondern bei den Dingen, die nichts oder wenig kosten und trotzdem am meisten wirken. Ein gepflegtes Google-Profil und echte Bewertungen schlagen fast jede Anzeige. Erst danach lohnt es sich, über Website, Social Media und Werbebudget nachzudenken. Dieser Leitfaden geht die Hebel der Reihe nach durch, mit ehrlichen Kostenspannen für den österreichischen Markt und einem Fokus auf das, was für ein kleines Lokal in Wien oder am Land tatsächlich umsetzbar ist.
Ein gepflegtes Google-Profil und echte Bewertungen schlagen fast jede Anzeige.
Google-Profil und Bewertungen: das kostenlose Fundament
Bevor Sie einen Euro in Werbung stecken: Der wichtigste Platz für ein Lokal ist heute nicht das Plakat, sondern der Eintrag bei Google. Wer in einer fremden Gegend Hunger hat, tippt „Pizza in der Nähe" oder „Restaurant 1070 Wien" ins Handy und entscheidet sich aus dem, was oben in der Karte erscheint.
Dieser Eintrag heißt Google-Unternehmensprofil (früher Google My Business) und ist kostenlos. Er entscheidet, ob Ihr Lokal in Google Maps und in der lokalen Suche auftaucht, mit Fotos, Öffnungszeiten, Speisekarte und Telefonnummer. Lokales Online-Marketing beginnt genau hier, nicht bei einer App und nicht bei einer Kampagne. Ein vollständig ausgefülltes Profil mit guten Fotos und aktuellen Öffnungszeiten ist die Grundvoraussetzung, damit Google Sie überhaupt vorne anzeigt.
Der zweite Teil des Fundaments sind Bewertungen. Sie sind für Gäste oft wichtiger als jede Werbung: Laut einer repräsentativen Umfrage des deutschen Digitalverbands Bitkom aus dem Jahr 2024 sind für 30 Prozent der Befragten Online-Bewertungen das wichtigste Kriterium bei der Wahl eines neuen Lokals. Über die Hälfte (53 Prozent) schaut sich vorab online die Speisekarte an, bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 65 Prozent. Bewertungen kommen aber selten von allein. Erfolgreiche Betriebe fragen aktiv und freundlich danach, beim zufriedenen Gast direkt, über einen QR-Code am Tisch oder auf der Rechnung. Was Sie nicht tun sollten: Bewertungen kaufen oder erfinden. Das fliegt auf und kann zur Sperre des Profils führen.
Tipp:
Legen Sie einen kurzen QR-Code direkt zur Google-Bewertungsseite an und platzieren Sie ihn am Tisch oder auf der Rechnung. Der zufriedene Gast bewertet dann in dem Moment, in dem er am zufriedensten ist, statt es zu Hause zu vergessen. :::
Wie viel dieses Fundament ausmacht, zeigt ein Beispiel aus unserer eigenen Arbeit. Für die Pizzeria Il Giardino haben wir nach dem Relaunch die Marke, die Website und vor allem die lokale Sichtbarkeit aufgebaut. In den ersten Monaten kamen so rund 480 Anrufe und Anfragen pro Monat allein über den Google-Eintrag zusammen, dazu mehrere tausend Klicks aus der organischen Suche. Kein bezahltes Budget, sondern ein sauber gepflegtes Profil und gezielte lokale Suchmaschinenoptimierung.
Eigene Website statt teures Lieferportal
Das Google-Profil bringt Gäste dazu, Ihr Lokal zu finden. Die eigene Website entscheidet oft, ob sie auch kommen. Wer vor dem Besuch die Speisekarte, die Öffnungszeiten oder eine Anfahrt sucht, landet idealerweise auf Ihrer Seite, nicht im Nichts. Der Wunsch nach einem Online-Auftritt ist längst kein Nischenthema mehr: In derselben Bitkom-Umfrage erwarten 69 Prozent, dass ein Lokal überhaupt einen Internetauftritt hat, bei den unter 30-Jährigen sind es 80 Prozent.
Eine Restaurant-Homepage zu erstellen muss kein großes Projekt sein. Speisekarte, Öffnungszeiten, ein paar gute Fotos, eine Reservierungsmöglichkeit und eine mobil lesbare Darstellung reichen für den Anfang. Mehr braucht es nicht. Rechnen Sie für eine schlanke, professionell gemachte Restaurant-Website mit etwa 1.500 bis 5.000 Euro einmalig, je nach Umfang und ob eine Reservierung oder eine Bestellfunktion dazukommt. Das ist eine Investition, die Ihnen gehört, anders als die Reichweite auf einer fremden Plattform.
Womit man dagegen vorsichtig sein sollte, sind die großen Lieferportale. Bequem für den Gast, teuer für den Betrieb. In Österreich zahlen Lokale je nach Plattform und Modell zwischen rund 13 und 30 Prozent Provision pro Bestellung. Bei Lieferando liegt die Gebühr nach eigenen Angaben bei durchschnittlich 13 Prozent, wenn das Lokal selbst ausliefert. Übernimmt Lieferando die Zustellung, sind es rund 17 Prozent. Foodora, in Österreich bis 2023 unter dem Namen mjam bekannt, nennt ein Maximum von 30 Prozent. In einem offenen Brief an die Regierung rechneten über 60 Wiener Wirte 2024 sogar vor, die Gesamtabgaben seien von vier Prozent während der Corona-Zeit auf bis zu 35 Prozent gestiegen. Bei einer Bestellung über 30 Euro bleiben dem Lokal dann teils nur gut 20 Euro übrig.
Die Provisionsstruktur im Überblick:
Anbieter / Modell | Provision pro Bestellung |
Lieferando, Restaurant liefert selbst | ca. 13 % |
Lieferando, Plattform liefert | ca. 17 % |
Foodora, maximal (eigene Angabe) | bis zu 30 % |
Gesamtabgaben laut offenem Brief Wiener Wirte | bis zu 35 % |
Das heißt nicht, dass Sie die Portale meiden müssen. Als digitales Schaufenster für neue Gäste haben sie ihren Platz. Der Fehler ist, sich von ihnen abhängig zu machen. Erfolgreiche Betriebe nutzen die Portale für Sichtbarkeit, lenken Stammgäste aber gezielt auf den eigenen, provisionsfreien Weg: Bestellung über die eigene Website oder den direkten Anruf. Jede Bestellung, die nicht über die Plattform läuft, bleibt zur Gänze bei Ihnen.
Der Auftritt vor Ort ist auch Marketing
Bis hierher ging es um den digitalen Auftritt. Der entscheidet, ob ein Gast Sie findet und sich für einen Besuch entscheidet. Was danach kommt, wird oft übersehen: Der Eindruck, den die guten Fotos und das gepflegte Profil online wecken, muss sich im Lokal einlösen. Kommt jemand wegen appetitlicher Bilder und steht dann in einem lieblos eingerichteten Raum mit einer zerknitterten Speisekarte, entsteht eine Lücke zwischen Erwartung und Wirklichkeit. Genau diese Lücke bleibt in Erinnerung und landet in der nächsten Bewertung.
Ein schönes Lokal allein füllt heute keine Tische mehr, dafür braucht es die digitale Sichtbarkeit von vorhin. Umgekehrt gilt aber genauso: Der beste Google-Auftritt bringt wenig, wenn das Erlebnis vor Ort nicht dazu passt. Beide Seiten müssen zusammenspielen, sonst arbeitet die eine gegen die andere.
Das heißt nicht, dass Sie umbauen müssen. Es heißt, dass Ihr Lokal überall gleich auftreten sollte: dasselbe Logo, dieselben Farben, dieselbe Schrift auf dem Schild, der Speisekarte, der Verpackung und der Website. Ein einheitliches Erscheinungsbild macht ein Lokal wiedererkennbar und wirkt wertiger, ohne dass ein einziges Gericht besser schmecken müsste. Die Speisekarte ist dabei der unterschätzteste Hebel überhaupt: Sie ist vermutlich das meistgelesene Stück Papier im ganzen Lokal und lenkt mit, was der Gast bestellt.
Wer diesen Auftritt nicht Stück für Stück zusammenwürfeln, sondern Logo, Speisekarte und Erscheinungsbild aus einem Guss haben will, holt sich das am besten von Anfang an aus einer Hand. So passt der Eindruck vor Ort zu dem, den Sie online aufbauen.
Social-Media-Marketing in der Gastronomie: was funktioniert
Essen ist visuell und genau deshalb funktioniert Social-Media-Marketing in der Gastronomie besser als in vielen anderen Branchen. Instagram, Facebook und TikTok belohnen Inhalte, die Lust machen. Laut der Bitkom-Umfrage haben 42 Prozent der Befragten schon einmal ein Lokal besucht, auf das sie über soziale Medien aufmerksam wurden, bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 57 Prozent.
Was funktioniert und was verpufft, lässt sich klar trennen:
Zieht Gäste an | Verpufft |
Das Essen selbst, appetitlich fotografiert | Gestellte Werbegrafiken |
Kurze Videos aus der Küche | Lange Funkstille, dann mehrere Posts am selben Tag |
Team und Gesichter hinter dem Lokal | Reine Eigenwerbung ohne Mehrwert |
Tagesgericht, Aktionen, Blick hinter die Kulissen | Gekaufte Follower |
Menschen kommen wegen Menschen, nicht wegen Hochglanz-Grafiken. Konstanz schlägt Perfektion: Drei bis vier ehrliche Beiträge pro Woche, mit dem Handy fotografiert, wirken mehr als ein aufwendiger Post im Monat.
Ein oft übersehener Hebel sind Anlässe. Muttertag, Weihnachtsfeiern, der erste warme Tag im Gastgarten, die Spargel- oder Wildsaison, Silvester: Solche Momente geben Ihnen ganz von selbst einen Grund zu posten und laufen organisch, also ohne Werbebudget. Ein kurzer Hinweis auf das saisonale Menü oder die Reservierung für die Firmenweihnachtsfeier erreicht genau dann Gäste, wenn sie ohnehin nach einem Lokal suchen.
Bei den Kosten kommt es darauf an, ob Sie selbst posten oder die Betreuung abgeben. Wer es auslagert, zahlt in Österreich für ein kleines bis mittleres Paket branchenüblich zwischen rund 500 und 1.800 Euro im Monat. Das Werbebudget für bezahlte Anzeigen kommt obendrauf und geht direkt an die Plattform. Unter etwa 500 Euro im Monat bekommt man meist nur Vorlagen von der Stange, die niemandem auffallen. Für viele kleine Lokale ist der pragmatischste Weg, den Kanal selbst zu führen und sich nur die Strategie und den Start von außen aufsetzen zu lassen.
Bezahlte Werbung: wann sich Meta- und Google-Anzeigen lohnen
Bezahlte Werbung ist kein Dauerzustand, sondern ein Werkzeug für den richtigen Moment. Sinnvoll sind Anzeigen bei einem konkreten Anlass: eine Neueröffnung, ein neues Mittagsmenü, ein Event, Catering-Angebote oder ein zweiter Standort. Immer dann, wenn Sie kurzfristig viele Menschen im Umkreis erreichen wollen.
Für die Gastronomie sind Meta-Anzeigen auf Instagram und Facebook meist stärker als Google Ads, weil Sie genau die Menschen im richtigen Bezirk und in der richtigen Altersgruppe ansprechen können. Google Ads lohnen sich seltener: Wer „Pizza in der Nähe" sucht, klickt in der Regel ohnehin auf die Karte mit den lokalen Treffern, nicht auf die Anzeige darüber. Schon mit wenigen Euro pro Tag lässt sich eine Kampagne testen. Entscheidend ist nicht die Höhe des Budgets, sondern dass die Anzeige ein klares Ziel hat.
Für ein etabliertes Stammlokal mit voller Hütte ist Anzeigenbudget dagegen oft das Letzte, was fehlt. Wenn die Tische ohnehin besetzt sind, bringt mehr Reichweite wenig. Dann ist das Geld in besserem Service, in Stammgastpflege oder in der eigenen Website besser angelegt.
Was erfolgreiche Lokale anders machen: Stammgäste, Bewertungen, Kontakt
Lokale, die langfristig gut laufen, setzen nicht auf den einen großen Werbecoup, sondern auf Wiederkehr. Ein Gast, der zum dritten Mal kommt, ist günstiger zu gewinnen als drei neue. Das klingt unspektakulär, ist aber der Kern: Marketing hört nicht beim ersten Besuch auf, sondern sorgt dafür, dass ein zweiter folgt.
Zweitens nehmen sie Bewertungen ernst, nicht nur die Sternezahl. In der DACH-weiten Auswertung „Gastro WebReview 2025" des Analysedienstes respondelligent, die rund 600.000 Bewertungen aus knapp 5.000 Restaurants ausgewertet hat, betrafen 36 Prozent der negativen Rückmeldungen den Service, also unfreundliches oder gestresstes Personal, nicht das Essen. Service ist damit selbst ein Marketinghebel. Wer auf Kritik ruhig und sachlich antwortet, statt zu schweigen oder zu streiten, zeigt allen mitlesenden Gästen, wie der Betrieb mit Menschen umgeht.
Drittens halten sie Kontakt. Ein einfacher E-Mail-Verteiler für Stammgäste, mit Aktionen, Feiertagsöffnungszeiten oder dem neuen Menü, ist der günstigste direkte Draht zum Gast.
Achtung:
Gäste-E-Mail-Adressen dürfen Sie in Österreich nur mit ausdrücklicher Einwilligung für Werbung verwenden. Einfach die Reservierungsliste anzuschreiben ist nicht erlaubt. Holen Sie die Zustimmung sauber ein, etwa bei der Online-Reservierung oder über ein eigenes Anmeldeformular. :::
Viertens achten sie auf Konsistenz: gleicher Name, gleiche Adresse, gleiche Telefonnummer überall, auf Google, auf der Website und auf den Portalen. Das klingt banal, ist aber einer der häufigsten Gründe, warum ein Lokal in der Karte schlechter gefunden wird. Google traut widersprüchlichen Angaben nicht.
Restaurant-Marketing mit kleinem Budget: die richtige Reihenfolge
Wenn Zeit und Geld knapp sind, kommt es auf die Reihenfolge an. Nicht alles auf einmal, sondern in dieser Abfolge:
Google-Profil vollständig ausfüllen und Bewertungen aktiv einholen. Kosten: nur Ihre Zeit. Größter Hebel pro investierter Stunde.
Eine schlanke, mobile Website mit Speisekarte und Reservierung. Einmalig rund 1.500 bis 5.000 Euro, macht Sie unabhängig von Portalen.
Ein stimmiger Auftritt vor Ort, der zum digitalen passt: Logo, Speisekarte, Erscheinungsbild aus einem Guss.
Ein gepflegter Social-Media-Kanal. Selbst geführt kostenlos, betreut rund 500 bis 1.800 Euro im Monat.
Bezahlte Anzeigen nur bei konkretem Anlass, mit klarem Ziel und kleinem Testbudget.
Ein kompakter Überblick über die üblichen Kosten:
Maßnahme | Typische Kosten in Österreich |
Google-Unternehmensprofil | kostenlos (nur Zeit) |
Bewertungen einholen | kostenlos (nur Zeit) |
Restaurant-Website (schlank) | ca. 1.500–5.000 € einmalig |
Logo & Erscheinungsbild | je nach Umfang, einmalig |
Social-Media-Betreuung (Agentur) | ca. 500–1.800 €/Monat, Werbebudget separat |
Lieferportal-Provision | ca. 13–30 % pro Bestellung |
Bezahlte Anzeigen (Meta) | flexibel, ab wenigen Euro pro Tag |
Die meisten kleinen Lokale fahren am besten, wenn sie das kostenlose Fundament selbst pflegen und nur einzelne Leistungen gezielt zukaufen. Wer all das aber nicht zwischen Mittag- und Abendservice nebenbei stemmen will, kann das Online-Marketing aus einer Hand auch abgeben: Profil, Website, Social Media und Anzeigen aufeinander abgestimmt, statt vier Baustellen einzeln zu betreuen.
Fazit:
Gutes Restaurant-Marketing beginnt kostenlos, beim Google-Profil und echten Bewertungen. Danach kommen die eigene Website und ein stimmiger Auftritt vor Ort, erst zuletzt Social Media und bezahlte Anzeigen. Wer diese Reihenfolge einhält, gibt Geld dort aus, wo es tatsächlich Gäste bringt.
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