Viele Unternehmen schauen ihre Website nach ein paar Jahren an und haben dasselbe Gefühl: Die wirkt nicht mehr. Andere wissen genau, dass ihre Seite zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre alt ist und seit dem letzten Update niemand mehr drangerührt hat. Die naheliegende Reaktion ist ein Website-Relaunch – die Website von Grund auf neu machen lassen. Die Frage ist nur, ob sich das auch lohnt.
Die kurze Antwort vorweg: Ein Relaunch lohnt sich, wenn Ihre Seite ein konkretes Ziel verfehlt – wenn sie nicht gefunden wird, am Handy nicht funktioniert, keine Anfragen bringt oder technisch und rechtlich nicht mehr Stand ist. Er lohnt sich nicht, wenn Ihnen nur die Optik nicht mehr gefällt, die Seite ansonsten aber arbeitet. Der Unterschied entscheidet darüber, ob Sie ein Problem lösen oder Geld in einen neuen Anstrich stecken.
Was ein Website-Relaunch eigentlich ist
Ein Website-Relaunch ist der grundlegende Neuaufbau einer bestehenden Website – mit neuer Struktur, neuer Technik und meist neuem Design. Im Unterschied zu kleinen Anpassungen wird die Seite nicht geflickt, sondern neu gedacht und neu gebaut.
Es hilft, drei Begriffe auseinanderzuhalten, die oft durcheinandergehen. Ein Redesign betrifft nur das Aussehen – neue Farben, neue Schrift, neues Layout, aber dieselbe technische Basis. Eine laufende Optimierung verbessert eine funktionierende Seite in kleinen Schritten, etwa schnellere Ladezeiten oder bessere Texte. Ein Relaunch dagegen ersetzt das Fundament: Struktur, System und Inhalte werden neu aufgesetzt. Wer nur das Logo tauschen will, braucht keinen Relaunch. Wer eine Seite hat, an der unten herum nichts mehr stimmt, kommt mit Flicken nicht weit.
Wann sich ein Relaunch wirklich lohnt
Es gibt ein paar Situationen, in denen ein Neuaufbau selten umstritten ist. Die klarste: Die Seite ist alt und wurde nie gewartet.
Die Website ist zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre alt. Eine Seite aus dieser Zeit wurde oft noch in Tabellen gebaut, hat Reste von Flash-Animationen, die in keinem aktuellen Browser mehr laufen, oder besteht aus statischem Code, den heute niemand mehr sinnvoll erweitert. Solche Seiten sind nicht nur unschön – sie sind technisch am Ende. Jede Änderung wird zur Bastelei, weil die Grundlage nicht mehr zur heutigen Technik passt.
Ungewartete Seiten sind ein Sicherheitsrisiko. Wenn das Redaktionssystem und seine Erweiterungen seit Jahren keine Updates bekommen haben, ist die Seite ein offenes Tor. Über bekannte Lücken in veralteten Systemen schleusen Angreifer Schadcode ein, hängen fremde Inhalte an oder verschicken Spam über Ihre Domain – im schlimmsten Fall, ohne dass Sie es sofort merken. Eine Seite, die niemand pflegt, pflegt sich nicht von selbst.
Die Seite funktioniert am Handy nicht. Websites, die vor dem mobilen Zeitalter gebaut wurden, sind am Smartphone oft unbenutzbar: winzige Schrift, Buttons, die man nicht trifft, Inhalte, die seitlich aus dem Bildschirm laufen. Das Problem ist nicht kosmetisch. Der Großteil der Besucher kommt heute übers Handy – wer dort scheitert, ist weg, bevor er gelesen hat, was Sie anbieten.
Die Seite bekommt Besucher, aber bringt keine Anfragen. Manchmal ist die Technik in Ordnung und die Seite wird gefunden, aber sie macht aus Besuchern keine Kunden. Es ist unklar, was die Firma eigentlich anbietet, es gibt keinen klaren nächsten Schritt, oder die Kontaktmöglichkeit ist drei Klicks tief vergraben. Wenn Leute kommen und wieder gehen, ohne etwas zu tun, liegt das selten am Zufall.
Ihr Angebot hat sich geändert, die Seite zeigt noch das alte Bild. Sie haben neue Leistungen, eine neue Ausrichtung oder eine andere Zielgruppe, Ihre Website erzählt aber weiter die Geschichte von vor fünf Jahren. Dann arbeitet die Seite gegen Sie: Sie zieht die falschen Anfragen an und macht die richtigen schwerer.
In all diesen Fällen ist der Relaunch kein Luxus, sondern eine Reparatur. Sie bringen die Seite auf einen Stand, auf dem sie ihre Aufgabe überhaupt erst erfüllen kann.
Wenn die Website rechtlich nicht mehr Stand ist
Ein eigener Grund, der bei alten Seiten fast immer mitläuft: Sie entspricht nicht mehr dem rechtlichen Stand. Das ist kein Designthema, aber ein echter Anlass, die Seite anzufassen.
Typische Lücken auf älteren Seiten: Die Datenschutzerklärung fehlt, ist veraltet oder nennt nicht die Dienste, die tatsächlich auf der Seite laufen. Der Cookie-Hinweis holt keine echte Einwilligung ein oder bietet keinen gleichwertigen Ablehnen-Button, wie es das Telekommunikationsgesetz verlangt. Das Impressum ist unvollständig und erfüllt die Offenlegungspflichten nicht mehr. Und manche Seiten laufen technisch noch über eine unverschlüsselte Verbindung – der Browser markiert sie dann sichtbar als „nicht sicher", was Besucher abschreckt, bevor sie überhaupt gelesen haben.
Dazu kommt die digitale Barrierefreiheit. Seit dem Barrierefreiheitsgesetz müssen bestimmte Websites so gebaut sein, dass auch Menschen mit Einschränkungen sie nutzen können – das betrifft vor allem Seiten, über die Verbraucher online abschließen, etwa Onlineshops oder Terminbuchungen. Längst nicht jede Seite ist betroffen: Kleinstunternehmen mit reinen Dienstleistungen sind ausgenommen, ebenso reine Firmen- und Informationsseiten ohne Online-Vertrag. Ob es Sie trifft, hängt vom Einzelfall ab. Wer das genau wissen will, findet die Details dazu, welche Websites das Barrierefreiheitsgesetz erfüllen müssen, in einem eigenen Beitrag.
Achtung:
Ob eine veraltete Seite Sie rechtlich angreifbar macht, sollten Sie im Zweifel rechtlich abklären lassen. Klar ist aber: Wenn an mehreren dieser Punkte etwas fehlt, ist es oft der einfachere Weg, die Website zu erneuern, als an einer Altlast einzeln nachzubessern.
Wann ein Relaunch nichts bringt
Genauso wichtig ist die andere Seite – die Fälle, in denen ein Relaunch das Geld nicht wert ist. Denn ein neuer Anstrich auf einem soliden Haus ändert nichts an der Statik.
Wenn die Substanz noch trägt. Ihre Seite ist schnell, mobil sauber, wird gefunden und bringt Anfragen – Ihnen gefällt nur die Optik nicht mehr. Das ist ein nachvollziehbares Gefühl, aber ein schwacher Grund für einen kompletten Neubau. Hier reicht oft eine gezielte Auffrischung, kein Abriss.
Wenn das eigentliche Problem nicht die Website ist. Manchmal liegt die Ursache woanders: Niemand findet die Seite, weil keine Sichtbarkeit aufgebaut wird, oder es kommt zu wenig Verkehr, weil das Marketing fehlt. Dann löst ein Relaunch das falsche Problem. Eine schönere Seite, die trotzdem niemand sieht, bringt genau so viele Anfragen wie vorher – nämlich keine.
Wenn es kein Ziel gibt. Ein Relaunch ohne klare Frage – Was soll die neue Seite besser können als die alte? – wird zur teuren Geschmacksübung. Ohne Ziel fehlt der Maßstab, an dem sich am Ende messen lässt, ob sich das Ganze gelohnt hat. „Sieht moderner aus" ist kein Ergebnis, das man verbuchen kann.
Wenn einer dieser Punkte auf Sie zutrifft, ist die ehrliche Antwort: Lassen Sie es vorerst. Geben Sie das Geld dort aus, wo das Problem wirklich sitzt.
Die häufigsten Einwände – was wirklich stimmt
Wer darüber nachdenkt, seine Website neu machen zu lassen, hat meist dieselben Bedenken. Ein paar davon sind berechtigt, ein paar nicht.
„Dann verliere ich meine Google-Platzierungen." Das ist der wichtigste Einwand. Er stimmt – aber nur, wenn der Relaunch schlecht gemacht wird. Wenn sich Adressen von Seiten ändern und die alten nicht sauber auf die neuen weitergeleitet werden, verliert Google die Spur. Für die Suchmaschine ist die alte Seite dann verschwunden. Die neue fängt bei null an. Genau deshalb gehören dauerhafte Weiterleitungen von jeder alten auf die passende neue Adresse zur Grundausstattung jedes Neuaufbaus. Wird das von Anfang an eingeplant, bleiben Ihre Platzierungen erhalten. Eine leichte Schwankung in den ersten Wochen ist normal, danach sollte sich alles wieder einpendeln. Der Fehler ist nie der Relaunch selbst – es ist der Relaunch ohne diesen Plan.
„Das ist zu teuer." Eine neue Website kostet Geld, keine Frage. Die ehrlichere Rechnung ist aber: Was kostet es, eine Seite zu behalten, die niemand findet, die am Handy abschreckt oder ein Sicherheitsrisiko ist? Wenn die Seite das eigentliche Hindernis ist, bezahlt man die alte Seite jeden Monat mit verlorenen Anfragen.
„Meine Seite funktioniert doch." Die Frage ist, woran Sie das messen. Eine Seite, die online steht, ist nicht dasselbe wie eine Seite, die arbeitet. Wenn Sie nicht wissen, wie viele Leute sie besuchen und was sie dort tun, funktioniert sie vielleicht nur in dem Sinn, dass sie lädt.
„Ich habe keine Zeit dafür." Ein gut geführter Relaunch hält sich beim Aufwand für Sie in Grenzen – Sie liefern Inhalte und Entscheidungen, der Rest läuft im Hintergrund. Der Aufwand ist überschaubarer als die Vorstellung, die viele davon haben.
Was das für ein kleines Unternehmen heißt
Für ein kleines Unternehmen mit wenig Zeit und überschaubarem Budget zählt vor allem eines: dass das Geld dort landet, wo es etwas bewegt. Ein Relaunch ist kein Selbstzweck. Er lohnt sich, wenn die alte Seite ein echtes Hindernis ist. Er lohnt sich nicht, wenn sie nur nicht mehr dem aktuellen Geschmack entspricht.
Der entscheidende Punkt: Eine neue Website sollte nicht nur besser aussehen, sondern von Grund auf so gebaut sein, dass sie gefunden wird, am Handy funktioniert, Anfragen bringt und die alten Platzierungen beim Umzug erhalten bleiben. Wenn Sie das nicht selbst aufsetzen wollen, können Sie den Neubau Ihrer Website jemandem überlassen, der auch weiß, was nach dem Launch kommt – also Weiterleitungen, Auffindbarkeit und die laufende Sichtbarkeit von Anfang an mitdenkt. Sie haben dabei direkt mit dem Gründer zu tun, nicht mit einem wechselnden Team.
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